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cherry flavoured atrocities

Update: D&D + Cyberpunk = TPK?

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Gestern haben wir in meiner wöchentlichen D&D 3.5 Runde – wegen Meistererkrankung – Cyberpunk gespielt. Von den vier Spielern (ich hab geleitet), hatte nur einer jemals Cyberpunk gespielt, die anderen noch nie. Wir spielen seit Jahren zusammen D&D, die volle Packung. Bodenpläne, Miniaturen, Dungeons, ECL-angemessene Encounter.
Ich seh schon wie ihr fies grinst.

Aber so war es nicht, ehrlich, auch wenn der Titel des Postings es vielleicht nahelegt. Ich war wirklich nett. Hab ihnen vorher gesagt: “Cyberpunk ist tötlich. Es ist nicht klug, sich auf eine Schießerei einzulassen.” und “Es gibt hier keine Wands of cure light wounds, hier geht man für Wochen ins Krankenhaus”. But to no avail.

Die D&D Art zu kämpfen haben sie nicht aus ihrem Blut gespült bekommen – vielmehr wurde das Blut aus ihnen gespült 🙂

Das Abenteuer basierte auf “Girl’s Night Out”, aus dem Forlorn Hope Buch, ein bischen aufgepeppt. Zusammengeführt habe ich die Chars, indem sie alle für den gleichen Pizzaservice gearbeitet haben und mit dem Fixer unter einer Decke steckten, der auf Wunsch das „Spezialmenü“ auslieferte. Dabei haben Sie zwei Mädels kennengelernt, die dann auch noch panzerbrechende Munition und ein Kartenschlossknackgerät brauchten. Und schon war die ganze Party involviert – der Techie z.B. hatte so ein Gerät, war aber auch der einzige, der damit umgehen konnte.

Hintergrund: Der Auftraggeber ist Buchhalter der Night City Tong. Er veruntreut deren Gelder. Erfährt das aus China jemand kommt, den er für den Buchprüfer hält. Fürchtet um sein leben, beauftragt die Mädels mit der Entführung des Buchprüfers. Die Mädels holen die PCs mit an Bord. Der Entführte ist lediglich der Bruder des Buchprüfers. Das weiß die lokale Tong, die den Buchhalter jetzt getötet hat, aber die Daten haben und alle Mitwisser töten will. Die lokale Yakuza will den Buchhalter, -prüfer oder die Daten, um der Tong die Geschäfte wegnehmen zu können.

Leider haben Sie nie mit dem von den Damen entführten Opfer geredet, also nicht herausgefunden, warum sich zwei große Verbrecherorganisationen auf sie stürzten (Yakuza und Tong) – etwas schade.

Das Ende war nah, als sie die Wohnung des Auftraggebers betraten, der Tod in seiner verwüsteten Wohnung lag. Den Hals aufgeschnitten, in der Wunde ein 100 Eb-Schein (ein Zeichen der Organisierten Kriminalität für Verräter). Erschreckt versuchte die Geisel deutlich zu machen, dass sie mit der Angelegenheit nichts zu tun hatte (was auch stimmte). Die Geisel wird geschlagen, bis er die Klappe hält. Kurze Beratung der Party mit den Mädels, ein hastiges Durchsuchen der Wohnung findet ein hochwertiges Cyberdeck (nicht auf Daten untersucht) und eine kombinierte Unterhaltungs- & Kommunikationssuite. Ein extrem gut gewürfelter Awareness-Check verrät schon jetzt, dass vor dem Haus Asiaten in einem Auto warten. Es wird eine Wache an der Tür aufgestellt und zunächst abgewartet.

In Anbetracht der Kritik von Settembrini muss ich hier anmerken, dass meine folgende Entscheidung (warten bis der Meinungsbildungsprozess, der noch extrem in den Anfängen steckte, abgeschlossen ist gegen Action sofort) nicht optimal gewesen sein mag. Sie hören also das Eindringen einer Gruppe (Yakuza) in das Gebäude und laufen aus der Wohnung. Die Gegner nehmen offenbar den Aufzug, er wird zügig stillgelegt. Im Treppenhaus sind auch noch ein paar, die leicht überwältigt werden. Derweil rückt die Konkurrenz (Tong) an, die gerade erst ankam. Die Tong müssen – ohne Aufzug, das Treppenhaus nehmen. Durch die vorangegangene Schießerei gewarnt, gehen sie vorsichtig vor. Sie zu überwältigen kostet erstes Blut.

Die im Aufzug eingeschlossenen Yakuza brechen durch die Aufzugwand, die Party bemerkt dies und rückt ab, in die Lobby.

Vor dem Haus sind noch 5 Tong als Nachhut in Deckung hinter Autos gegangen. Drei sind zu sehen, die anderen beiden stehen hinter dem Van der Party, der gerade geplündert wird. Die Autos sind etwa 15 Meter von der Lobby entfernt auf der gegenüberliegenden Straßenseite geparkt.

Es gelingt, zwei der sichtbaren Tong zu erschießen, der Solo will sich auf den dritten stürzen und rammt diesen samt seiner Deckung gegen die Wand – kommt aber dabei in das Sicht und Schußfeld von Tong 4, der eines der im Van erbeuteten Sturmgewehre in der Hand hat. Mies gewürfelt, von dem Autofeuer treffen nur 3, alle das gleiche ungepanzerte Bein. Solo bleibt bei Bewusstsein, muss aber Mortal-Checks machen. Tong 5 ist unter den Van gekrochen.

Die Zeit drängt, der Solo muss gerettet werden, die Yakuza kommen das Treppenhaus hinunter. Die Geisel wird erschossen, es folgt ein unkoordinierter Sturmangriff auf den Van, in Zangenbewegung von beiden Seiten soll um den Van gerannt werden. Leider kommt einer der Punks wegen mieser MA nicht weit genug (er hat auch noch den längeren Weg). Er wird von dem Tong 5 unter dem Van angeschossen, aber undramatisch, und tötet den Tong im Gegenzug. Auch Tong 4 fällt diese Runde, die Yakuza eröffnen das Feuer auf alles Sichtbare. Es obliegt den NPCs, den Solo zu retten. Er wird stablisiert und mit einer Kampfdroge wieder fit gemacht. Die Helferin zieht sich auf die Yakuza feuerend zum Van zurück. Der Solo robbt hinterher, zumeist in Deckung.

Die Yakuza fürchten die Flucht und stürmen. Der schwer verwundete Solo erreicht den Van, will eine Handgranate unter dem Van hindurch auf die Yakuza werfen und würfelt eine 1 – BANG! Solo futsch, Nomade schwer verwundet. Techie startet den Van und will fliehen. Flucht gelingt erst im zweiten Anlauf, den Fixer ziehen sie noch an Bord und entkommen. Den Nomaden lassen sie zurück.

(Almost)

Total

Party

Kill.

(Fast, immerhin sind ja zwei PCs und die NPCs mit dem nackten Leben davongekommen. Das Spiel war aber zu ende.

Schon um 22:00 Uhr. Bis Mitternacht war geplant. Und hat sich als aufwändig herausgestellt, um 22:30 in Steglitz noch ne offene Kneipe zu finden…

Beim Bier haben wir dann noch diskutiert, ob man mit Cyberpunk vernünftig eine Kampange gestalten kann. Ich bin der Ansicht: Na klar, ewig so gemacht.

Aber die Gegenansicht hat auch gute Argumente:

  • das System macht es unattraktiv zu überleben, weil man nicht besser wird
  • es ist ausgelegt auf krasse Ein-Weg-Chars (Punks) – stimmt. Wer spielt schon Profis, wenn man mit echt kranken Gestalten durchkommt? (Schöne Grüße an den Rattenmann)
  • die Patzerregeln passen nicht zu Profis – Profis mit dem Job machen alles um Risiken zu minimieren, dass ist bei CP zwecklos

Nicht zu verachten, z.T. hat uns das damals so gestört, dass wir Patzerhausregeln zur Entschärfung des Problems hatten. Was denkt ihr?

Written by cyberpunk2020

July 31st, 2007 at 10:09 am