Darstellung einer Dunklen Welt [Dark Future]
[Dieser Post ist ein Destillat aus den Antworten auf meine Frage im Tanelorn-Forum. Mir ging es um symbolische Szenen, die man zur Visualisierung einflechten kann. Interaktivität für die Spieler war dabei nebensächlich.]
- Tote auf der Straße, von Ratten und Krähen angefressen
- Kakerlaken im Essen
- Brennende Mülltonnen
- Ausgebrannte Autos
- Ruinen
- Es stinkt nach Pisse
- Sich prostituierende Kinder/Babystrich
- Ein Toter der gerade von einem kleinem Rudel Hunde gefressen wird.
- Komplette und beiläufige Entmenschlichung bestimmter Gruppierungen/Berufe/sozialer Schichten. Beispiele: Bettler die ihre (ebenfall bettelnden) Kinder verstümmeln um mehr Kohle abzusahnen / Bordelle die Sex mit Kindern, Hunden und Leichen anbieten / Jagd auf Migranten, Dunkelhäutige, Straftäter
- Ein Verhafteter, der von der Polizeistreife auf offener Straße abgeknallt wird, während er schon mit Handschellen am Boden kniet. Auf der anderen Straßenseite wird ein Laden ausgeraubt, was die Beamten nicht die Bohne interessiert / Cops die ihre Hunde auf gefesselte, auf dem Boden liegende Leute hetzen oder diese mit Schlagstöcken malträtieren.
- Absurde politische Talkshows
- Wetterbericht bringt neben Temperatur und Niederschlag auch die Strahlungswerte
- Endzeitprediger mit dem Schild “Das Ende ist nah” an der Ecke
- Bewaffnete Bandenunruhen oder Bürgeraufstände in den Nachrichten
- Wertlose “Verpflegungskarten” für die Armen. In den oberen Stockwerken der glänzenden Arkologien und auf dem Schwarzmarkt gibt es alles zu kaufen.
- Lange Schlangen an den wenigen verbleibenden sozialen Einrichtungen (Suppenküchen oä). Schlägereien unter den Wartenden um die letzten freien Plätze/Mahlzeiten. Gewaltsame Auflösung derselben durch Sicherheitskräfte.
- Downtown bettelnde Jugendliche, die von den vorbeieilenden Passanten ignoriert bis mit Tritten vom Leib gehalten wird. Nach einiger Zeit wird sie von Polizei abtransportiert (natürlich auch hier nicht ohne die allgegenwärtige psychische bis physische Gewalt).
- Kontraste: Kann ja sein das da ne Leiche in der Gosse modert aber dann braucht man auch die angewiderte Highheels-Tussi die pikiert darüber steigt und den Biohazard-Entsorgungsdienst anklingelt.
- Krankheit: Von Zahnlücken bis Leprakranke und sonstige “Aussätzige” (zB verrostete, invalide Cyborgs, Rust Alley in SLA)
- Ein dahinvegetierendes, von Stütze lebendes “Subproletariat” mit Ganztagsbeschäftigung Fernseher/Matrix (+ Drogen, Fussball und Kinder schlagen).
- Fliegende Drohnen die den Verkehr und die Innenstädte kontrollieren. Privilegien nur gegen absolute Transparenz (gut gefakte SIN und Gesichtstransplantation). Register mit Einträgen über alles und jeden. Ein Überwachungsapparat in dem eine Hand nicht weiß was die andere tut (A Scanner darkly).
- Riesige Müllsackberge (evtl auch Giftmüll) auf der Straße. (Mutiertes) Viechzeugs das darin wohnt.
- Leute die seit Jahrenin Umzugskartons hausen. Technisch/biologisch angepasste Leute die seit Jahrzehnten in der Finsternis der Kanalisation unter erbärmlichen Bedingungen hausen und nachts aus ihren Löchern kriechen.
- Werbezeppeline die über die die Stadt kreisen, Hubschrauber/VektorSchub Maschinen die im 10min Takt über die Stadt patroulieren.
- Brennende Gebäude die einfach mal so angezündet wurden und nicht gelöscht werden.
- Das omnipresente Geheule von Polizeisirenen.
- Electrosmog vermischt mit dem Geruch von Ausdünstungen, kalter Asche, Pisse und Kerosin liegt in der Luft.
- Verchippten Bordschwalben
- Gangs die das Viertel terrorisieren
- Streikende Müllabfuhr
- Junkies mit Messern in der U-Bahn und ganze Mobs von Straßenkindern welche die Charaktere oder ihr Auto mit Steinen eindecken. Leute die grundlos neben anderen Leuten anhalten, aussteigen und diese, just for fun, mit Baseballschläger und Tschako krankenhausreif schlagen.
- Überflutete Straßenblocks. Leute die zur Arbeit durch stinkende Brühe waten oder im besseren Fall paddeln. Zugelaufene Keller. Vorbeitreibendes Zeug: Klopapier, Spielsachen, Kanister und dazu gehörende Ölschlieren. Und kleine Kinder die sich in dem ganzen Brack waschen oder darin baden.
- Rußverschmierte Hauswände
- Von Abgasen angefressene Fassaden und Statuen
- Wohnungen gerne im schönsten Nikotingelb und dem entsprechenden Geruch
- Muffiger Straßengeruch
- Viel Nebel und Regen, wenig Sonne
- Eine Firma sponsort dir deinen Motoradführerschein wenn du einen “Organspendeausweiß” zu ihren Gunsten ausfüllst
- Eine Barista, die sich die Erinnerungen an ihren Ex hat löschen lassen und nun aufgrund der fehlenden Erinnerungen Pn paranoia leidet
- Obdachlose mit erfrorenen Fingern oder Zehen.
- Kinder die von ihren Elten so zugerichtet wurden das ihnen das Schmerzempfinden fehlt, und die nur Nachts zum Schlafen nach hause kommen und ansonsten tagsüber auf der Straße sitzen und sich vom Bäcker ihr Mittagessen erbetteln können.
- Überforderte Eltern die ihre Kids nonstop anzuschreien, Machos die dasselbe mit ihrer Frau machen.
- Leute die hinter kaputten Fensterscheiben oder in selbstgebastelten Zelten aus Müllsäcken hausen.
- Der lallende Alki/Drogi der von Jugendlichen zusammengetreten oder im Schlafsack angezündet wird.
- Die verrückte Alte die in ihrer Bruchbude voller Vogelscheiße wohnt.
- Sozialhilfeempfänger die vom Amt eine Wohnung ohne fliessendes Wasser zugewiesen bekommen und regelmäßig mit dem Kanister beim Nachbarn klingeln gehen.
Sehr extrem:
Extreme Ausnutzung menschlicher Ressourcen:
- z.B. Einsatz von Reagenzglasmenschenhirne als Bedienung von Geldschaltern, da unbestechlich und unhackbar.










Get update notices by Email



Ich freu mich natürlich über weitere Ideen!!!
karsten
28 May 09 at 11:19 am
Schöne Szenen
Daniel
28 May 09 at 1:08 pm
Ach, machen wir die 50 noch schnell voll
47 – Ein Krankenhaus verkauft seine chirurgischen Abfälle in klebrigen, schwarzen Plastikbeutel.
48 – Ein Hundekadaver wird von einer Gruppe Jugendlichen gehäutet. Die Gang trägt ihre erbeuteten Hundefelle mit Stolz.
49 – Schmuddelfilme und harte Streifen laufen rund um die Uhr. Nicht nur im Pay-Tv.
50 – In manchen Stadtteilen ist die Kanalisation dermaßen verstopft, dass sich die Gullydeckel heben.
Daniel
28 May 09 at 1:23 pm
Eben bei Bubble gesehen: Frauen prügeln sich um gebrauchte Kleidung (http://bubblespace.de/blog/allgemeines/2009/05/27/der-recyclinghof)
karsten
28 May 09 at 1:35 pm
Ich finde viele der Beispiele leiden daran, dass sie viel zu dick aufgetragen sind. Das ähnelt eher einem Spektakel der Grausamkeiten als einem düsteren Setting.
Aber mir gefallen die kleinen visuellen Details (rußverschmierte Häuser, Regen, aufdringliche Werbung, etc.) sehr viel besser als die Akte der Hypergewalt oder körperlichen Ruinen.
Falls es noch nicht aufgelistet war, würde ich vielleicht noch die Dekadenz der ultrareichen oberen Schichten und den verschwenderischen Luxus nach vorne stellen.
Georgios
28 May 09 at 1:40 pm
@Georgios: 40-46 sind aus der Zeitung (also Realität in D). Grundsätzlich hast du natürlich Recht… ich will diese Szenen ja auch nicht als ständiges Hintergrundbild für mein Spiel, sondern als gelegentliche Erinnerung für meine Spieler, in welcher Welt sie sich befinden. Und da kann ein Horde Messerstecher in der U-Bahn oder ein gehäuteter Hundekadaver schon was bringen.
karsten
28 May 09 at 2:04 pm
Liest sich manchmal echt erdrückend, einige Einträge sind aber dann wieder relativ mau. Insgesamt aber ne “nette” Liste.
TheClone
28 May 09 at 2:38 pm
- Regen, der so sauer ist, dass er Kleidung angreift
- Überfüllte Straßen, permanenter Stau, Smog
- Fahrradkuriere, Rickschas, Boten jeder Art, gepanzerte Fahrzeuge, schrotreife Karren
- permanente Sicherheitskontrollen und Verbotsschilder
- gewaltige Acrologien aus Stahl, Glas und Beton
- keine grünen Pflanzen, Parks außerhalb der Acrologien
- Straßenhändler die mit allem Handeln
Ray Andrew Warren
28 May 09 at 3:09 pm
All hail Ray Andrew Warren!!! Long time no see, man.
karsten
28 May 09 at 3:28 pm
@Georgios: Nachtrag – hast du Beispiele, wie man die Dekadenz der oberen Schichten und den verschwenderischen Luxus visualisieren kann, ohne dass die Beteiligten gleich Opfer eines Raubüberfalls werden?
karsten
29 May 09 at 1:01 pm
Es gibt da eine sehr finstere Szene aus Ghostbusters, in der Louis Tully von einem der Höllenhunde gejagt wird und irgendwann an der Fensterscheibe eines Edelrestaurants ankommt, verzweifelt um Hilfe schreit und anschließend vom Höllenhund überwältigt wird.
Die Gäste unterbrechen kurz ihre Gespräche und ihr Essen, als sie sein Klopfen bemerken, und wenden sich dann wieder ihrem Essen mit musikalischer Untermalung zu. Diese Szene fand ich immer sehr treffend um diese Verabscheuungswürdigkeit der Dekadenz zu verdeutlichen. Ich denke nicht, dass man die Szene übernehmen sollte (oder kann) aber die Grundidee finde ich stark mit meinem Verständnis von “düsterem Setting” verknüpft.
Dekadenz kann man auch gut damit beschreiben, dass Leute für lächerliche Kleinstarbeiten, die jeder normale Mensch selbst verrichten würde, bezahlt werden und das dann noch zu Hungerlöhnen.
Briefkasten leeren
Zahnbürste fürs Zähneputzen vorbereiten und anschließend säubern
Zeitung lesen und interessante Stellen markieren
etc.
Wir sprechen hier nicht von 1 Butler, sondern von einem Dutzend dieser Leute, die jeden Morgen zur Hochsicherheitsvilla fahren müssen, um 9 Stunden auf Abruf zu sein um praktisch nichts zu tun. Während sie von Kunstwerken, prunkvoller Inneneinrichtung und delikatesten Speisen umgeben sind und diese nur anschauen dürfen, bevor sie dann zu ihrer Ein-Zimmer-Wohnung mit Tabakrauch-getränkten Tapeten und vier Tage alten Soy-Nudeln zurückkehren dürfen. So eine Stimmung lebt vom starken Kontrast zwischen unnötigem Überfluss und schwer deckbaren Mangel des Nötigsten. Echtes Essen, dass nur angeknabbert und dann weggeworfen wird, gegenüber aufgewärmter Soyabrühe, die mehrere Tage halten muss. Große, helle Flure und Räume voller Gemälde und Statuen, angenehme Musik im Hintergrund während man vom Sitzzimmer ins Lesezimmer spaziert um vorher einen Abstecher ins Arboretum zu machen. Im Vergleich dazu kahle, verrauchte Zimmern, die sich ein halbes Dutzend Lohnsklaven teilen müssen, die sich nur beim Vornamen kennen weil sie sich nicht lange genug sehen um sich näher zu unterhalten.
Oder schau dir Trading Places (Die Glücksritter) an, um zu schauen wie leichtfertig dort mit dem Leben und Lebensstandard anderer Leute gespielt wird, um sich zu amüsieren. Man muss nicht gleich zu Snuff-filmen oder Gladiatorenkämpfen greifen, um das zu verdeutlichen. Die Wohnorte, Arbeitsstellen und Familien unzähliger Leute zu sprengen, weil man eine Wette verloren hat oder weil man 1$ gesetzt hat… verdeutlicht dieses völlige Fehlen menschlicher Empathie oder sozialer Verantwortung, die ich in düsteren Cyberpunksettings für typisch halte.
Georgios
29 May 09 at 2:02 pm
Die Beispiele finde ich schön Ich denke an den richtigen Stellen eingesetzt können sie die Stimmung verdammt gut fühlbar machen.
Danke für die Zusammenfassung!
Arne Babenhauserheide
29 May 09 at 2:56 pm
@Georgios: Das sind sehr gute Beispiele, für die ich mich ganz ausdrücklich bedanke. Ich werde sie nutzen.
Für das OP wollte ich aber Dinge zusammentragen, die “Durch die Autoscheibe hindurch” gesehen werden können. Settingtypisches, was man zwischendurch so einbringen kann, wenn die PCs durch die Straßen streifen. Und da fehlt es mir noch an hübschen Bildern für Dekadenz. (Strange Days und Bladerunner sind Beispiele für Filme, die viel über Szenen im Hintergund erzählen.)
karsten
29 May 09 at 3:25 pm
@Arne: Dazu ist das Blog da. Danke.
karsten
29 May 09 at 3:26 pm
Dekadenz… vermittels Werbung?
peter
24 Jun 09 at 9:29 am